Immobilienblase – Ist die Angst berechtigt?

Steht die Immobilienblase kurz bevor?
Steht die Immobilienblase kurz bevor?

Die Angst vor einer Immobilienblase geht schon länger um in Deutschland, spätestens seit Bundesbank-Chef Jens Weidmann Ende Januar öffentlich davor warnte. Nachdem selbst Staatsanleihen sich als riskant erwiesen haben, investieren immer mehr Anleger in deutsche Immobilien und verändern den Markt dramatisch.

Auf der Suche nach stabilen Anlagemöglichkeiten gilt der deutsche Immobilienmarkt als sicherer Hafen, der neben geringem Risiko auch steigende Renditen verspricht. So nahmen die durchschnittlichen Angebotspreise für Neubauwohnungen in Hamburger Zentrallagen von 2010 bis 2014 um 40 Prozent zu; in Berlin erhöhten sich die Preise für Eigentumswohnungen von 2008 bis 2013 um 35 Prozent.

Kapitalschwemme durch Niedrigzinsen

Die Zahlen klingen alarmierend, viele fürchten ein Platzen der Immobilienblase. „Der deutsche Immobilienmarkt ist in allen Bereichen ziemlich heiß gelaufen“, sagt etwa Oliver Beyer, Partner bei der Kanzlei Simmons & Simmons, der Firmen und Fonds bei komplexen Transaktionen berät. „Es ist extrem viel Geld im Markt, Investoren kaufen sehr teuer ein und die Banken finanzieren inzwischen zu teilweise aggressiven Konditionen.“

Die Angst vor einer Immobilienblase versucht Thomas Zinnöcker, Vorstand beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), einem der großen Interessenverbände der Branche, zu entkräften:„Deutschland hat keine Immobilienblase, sondern einen klar zu fokussierenden Nachfrageüberhang vor allem in beliebten Großstädten.“

Starke Nachfrage trotz hoher Preise

Die Nachfrage nach Eigenheimen vor allem in Ballungsräumen ist trotz steigender Preise ungebrochen. Im Immobilien-Trendbarometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young gaben 96 Prozent der ausländischen Immobilieninvestoren an, Deutschland auch im Jahr 2015 für einen attraktiven oder sogar sehr attraktiven Standort für Investitionen zu halten. Laut dem Bericht betrug 2014 das Transaktionsvolumen für Immobilieninvestitionen 52,7 Milliarden Euro.

Die enorme Nachfrage kommt jedoch nicht nur von den großen Investoren. Die Dauerniedrigzinsen der EZB machen es so attraktiv wie nie, große Kredite aufzunehmen. Dadurch können sich auch Kleinsparer Wohnungseigentum leisten, das für sie ohne diese Niedrigzins-Kredite unerschwinglich wäre.

Eine hohe Nachfrage bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine sogenannte Blase entstehen muss. Von einer solchen spricht man, wenn die Preise für Immobilien stark überwertet sind und es deshalb innerhalb von kurzer Zeit zu massenhaften Verkäufen kommt. Diese massiven Verkäufe können zu einer Art Panik führen, die einen extremen Preisverfall zur Folge haben kann – dem „Platzen der Blase“. Ob es in Deutschland tatsächlich eine Immobilienblase gibt oder nicht, ist umstritten – der starke Preisanstieg gibt jedoch Anlass zur Sorge.

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