Erbschaftssteuer – Was gibt es neues?

Es empfiehlt sich, alle Wünsche in einem notariell beglaubigten Testament festzuhalten
Es empfiehlt sich, alle Wünsche in einem notariell beglaubigten Testament festzuhalten

Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist klar: Bei der Erbschaftssteuer stehen Änderungen bevor. Die neue Regelung wird vermutlich deutlich restriktiver ausfallen, weshalb viele gut beraten sind, das bestehende Gesetz noch zu nutzen.

Mit dem Urteil von Dezember 2014 zur ungleichen Besteuerung von Privat- und Firmenerben hat das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber aufgefordert, bis 30. Juni 2016 das Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht zu reformieren. Das betrifft vor allem Erben von Firmen und Unternehmenseigentum. Die Regierung könnte die Vorgabe jedoch auch nutzen, um das Erbschaftsrecht grundlegend zu verändern, was viele Immobilienbesitzer aufhorchen lässt. Welche steuerlichen Vorteile die aktuelle Gesetzeslage für Immobilienerben birgt, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Erben oder Schenken?

Es gibt verschiedene Wege, sein Immobilien-Eigentum anderen zu vermachen. Die gängigsten sind vererben und verschenken, die jeweils eigene Auflagen haben. Beim Vererben empfiehlt es sich, alle Wünsche zur Aufteilung in einem notariell beglaubigten Testament festzuhalten. Fehlt dieses, müssen die Erben die Aufteilung unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben selbst vornehmen, was oft zu Streit und Missgunst führt. Besonders unverheiratete Lebenspartner sind hier im Nachteil: Fehlt ein Testament, in dem sie begünstigt werden, steht ihnen laut Gesetz gar nichts zu.

Neben dem Erben gibt es auch die Schenkung als Modell der Eigentumsübertragung. Hier überträgt der Schenkende noch vor seinem Ableben einen Teil seines Vermögens an seine Begünstigten. Dies bringt einen entscheidenden Vorteile mit sich: Schenkungen sind alle 10 Jahre möglich, das heißt der Freibetrag (mehr dazu unten) kann ebenfalls alle 10 Jahre genutzt werden.

Erbschaftssteuer

Beim Vererben werden Steuern fällig, die sogenannte Erbschaftssteuer. Die Höhe der Erbschaftssteuer bemisst sich unter anderem am Verwandtschaftsgrad, anhand dessen eine Zuordnung zu verschiedenen Steuerklassen erfolgt. Ehegatten und Kinder gehören zur Steuerklasse I, Geschwister, Nichten, Neffen und Stiefeltern zur Steuerklasse II, alle entfernteren Verwandten aber auch Bekannte zu Steuerklasse III. In der Steuerklasse I beträgt die Erbschaftssteuer zwischen 7 und 30%, in der II. bis zu 43% und in der III. bis zu 50%. Die Steuer wird jedoch erst ab einem bestimmten Freibetrag fällig, der sich ebenfalls nach dem Verwandtschaftsgrad bemisst.

Hohe Freibeträge nutzen

Möchten Sie Ihre Immobilie ohne große Steuerabgaben weitergeben, sollten Sie die Freibeträge nutzen. Diese belaufen sich für Eheleute auf 500.000 Euro, für Kinder auf 400.000 Euro. Enkel sind ebenfalls steuerfrei bis 400.000 Euro, sofern ihre Eltern noch leben sind es 200.000 Euro. Damit sind diese Personengruppen deutlich im Vorteil zu allen anderen potenziellen Erben: Unverheiratete Partner haben lediglich 20.000 Euro Freibetrag, gleiches gilt für indirekte Verwandte. Diese Freibeträge haben vor allem bei Schenkungen erheblichen Einfluss, da sie alle 10 Jahre möglich sind. Das bedeutet, dass alle 10 Jahre Schenkungen bis zum Freibetrag steuerfrei getätigt werden können.

Nießbrauch als Sicherheit

Auch bei Schenkungen müssen die Gönner nicht befürchten, nach der Übertragung auf der Straße zu sitzen. Im Grundbuch eingetragene Nießbrauch-Regelungen erlauben es, geschenkte Immobilien bis zum Lebensende selbst zu nutzen oder im Falle von Vermietungen die Mieteinnahmen zu beziehen. Der Nießbrauch schützt somit die Gönner vor undankbaren Erben und verleiht Ihnen trotz der Schenkung weiterhin gewisse Rechte zur Verfügung ihres Eigentums.

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